Kinderschutz in der Kindertagespflege

Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung (§ 1631 Abs. 2 BGB) und sind vor Gefahren für ihr Wohl zu schützen (§ 1 Abs. 3 Nr.3 SGB VIII). § 8a SGB VIII konkretisiert den Schutzauftrag als Aufgabe der Jugendämter. Die fachlichen Empfehlungen des LJHA zur Umsetzung des Schutzauftrags nach § 8a SGB VIII definieren dafür Standards und Verfahrensabläufe sowie die Zusammenarbeit mit den Trägern von Einrichtungen und Diensten, die Leistungen nach dem SGB VIII erbringen. Mit diesen sind Vereinbarungen abzuschließen die sicherstellen, dass die zur Erfüllung des Schutzauftrags erforderlichen Qualitätsstandards und Verfahren eingehalten werden. Vereinbarungen sind demzufolge erforderlich für Träger der Jugendhilfe, die Tagespflegepersonen anstellen, und Träger, an die Aufgaben der Kindertagespflege wie Vermittlung, Beratung, Begleitung vom Jugendamt delegiert sind.

Die zentrale Pflicht zur Meldung von Anhaltspunkten für eine Kindeswohlgefährdung ergibt sich für die einzelnen Tagespflegepersonen aus der Erlaubnis zur Kindertagespflege gemäß § 43 SGB VIII im zweiten Abschnitt des dritten Kapitels des SGB VIII „Schutz von Kindern und Jugendlichen in Familienpflege und Einrichtungen“. Damit wird dem Schutzgedanken durch die Definition von Mindeststandards, präventive Leistungen wie Qualifizierung, Beratung aber auch Eingriffsmöglichkeiten wie z. B. die Nichterteilung der Pflegeerlaubnis Rechnung getragen. Ggf. werden Schutzkonzepte des Jugendamts im Einzelfall im Rahmen der Erteilung der Pflegeerlaubnis mit der Tagespflegeperson vereinbart.

Die Tagespflegeperson hat den Träger der öffentlichen Jugendhilfe über wichtige Ereignisse zu unterrichten, die für die Betreuung des oder der Kinder bedeutsam sind. Dazu gehören auch Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung, denen gemäß § 8a SGB VIII nachzugehen ist. Das gilt auch für angestellte Tagespflegepersonen, denen eine Pflegeerlaubnis erteilt wurde. Die Tagespflegefachkraft entscheidet dann, ob und wenn ja wann die insoweit erfahrene Fachkraft hinzuzuziehen ist.

Ergänzend dazu haben Tagespflegepersonen gem. § 8b Abs. 1 SGB VIII einen eigenen Beratungsanspruch durch eine insoweit erfahrene Fachkraft. Die Tagespflegeperson muss also immer darüber informiert sein, wer für sie als insoweit erfahrene Fachkraft zur Verfügung steht.
Tagespflegepersonen müssen vor Erteilung der Pflegeerlaubnis gem. § 72a SGB VIII ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Wenn andere im Haushalt lebende volljährige Personen während der Tagesbetreuungszeit regelmäßig anwesend sind, kann auch von diesen Personen ein erweitertes Führungszeugnis verlangt werden. Der bayerische Gesetzgeber hat in § 18 AVBayKiBiG (Ausführungsgesetz zum Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz) seine staatliche Förderung außerdem davon abhängig gemacht, dass die Tagespflegeperson sich schriftlich mit unangemeldeten Kontrollen einverstanden erklärt. Außerdem müssen sich Tagespflegepersonen bei der Aufnahme eines Kindes von den Eltern eine Bestätigung der Teilnahme des Kindes an der letzten fälligen altersentsprechenden Früherkennungsuntersuchung vorlegen lassen (Art. 9 Abs. 2 BayKiBiG).

Tagespflegepersonen benötigen für die Erfüllung ihrer Aufgabe grundlegende Kenntnisse in Entwicklungspsychologie, zu Risikofaktoren, Indikatoren, Ursachen und Erscheinungsformen von Kindeswohlgefährdung. Sie können Anzeichen für Gefährdung bei Kindern durch ihre Nähe zu Kindern und Eltern frühzeitig erkennen. Eine erste Risikoeinschätzung erfolgt jedoch immer gemeinsam mit der zuständigen Tagespflegefachkraft oder der für den Kinderschutz zuständigen insoweit erfahrenen Fachkraft.

Das Jugendamt hat dafür Sorge zu tragen, dass sich die Tagespflegepersonen im Rahmen der Qualifizierung die erforderlichen Kenntnisse aneignen können und über das Verfahren sowie die Unterstützungssysteme informiert sind. Letzteres gilt auch für die Erziehungsberechtigten des Tagespflegekindes wenn es darum geht, Anhaltspunkte für die Kindeswohlgefährdung durch die Tagespflegeperson festzustellen.

Fachliche Empfehlungen zur Umsetzung des Schutzauftrags nach § 8a SGB VIII finden Sie hier.

Jörg Maiwald: Schutz vor Kindeswohlgefährdung in der Kindertagespflege

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